Ffilme-2017-1-Header.png

Zwei Fortsetzungen und ein Remake sind normalerweise noch keine Indizien für gute Kinowochen, aber an diesem Frühlingsanfang ist alles anders. Wir verabschieden uns emotional von Wolverine, begrüßen geliebte Trash-Helden im Hochglanzformat zurück und lassen uns in den Bann einer Live-Action-Version von Major Kusanagi Motoko ziehen.

Logan

Kinostart: 02.03.2017
Regie: James Mangold
Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen

Seit mittlerweile 17 Jahren (!) spielt Hugh Jackman einen der beliebtesten X-Men: den quasi unverwundbaren Aggro-Bartträger Wolverine. Nun soll endlich Schluss sein und Regisseur James Mangold dreht zum Finale noch mal richtig auf. Er zeichnet eine düstere Zukunftsvision, in der Mutanten kaum noch vorkommen. Und auch Logan ist nicht mehr die freshe Kampfmaschine, als die wir ihn kennen. Der gealterte Held lebt mittlerweile in einer Männer-WG mit Charles Xavier und einem neuen Mutanten mitten im amerikanischen Nirgendwo. Eines Tages wird ein junges Mädchen zu ihnen gebracht, die ähnliche Fähigkeiten wie Logan besitzt und, natürlich, in großer Gefahr schwebt. Das schreit natürlich nach großen Emotionen, doch der Film hält sich hier angenehm zurück. Wenig Kitsch, dafür viiiiiel Blut. Etwas zu viel für meinen Geschmack, hebt sich der Film dadurch doch sehr von den anderen X-Men-Titeln ab, in denen wir Wolverines Entwicklung bisher mitverfolgen konnten. Die grafische Brutalität ist für die Figur zwar konsequent, wirkt in der Tradition aber doch befremdlich. Idealerweise wären eben alle Superhelden-Filme ab 18, aber dabei geht den Studios natürlich zu viel Geld verloren. Trotz Blutüberschuss ist Logan aber größtenteils ein atmosphärisch dichter, fast melancholischer Film geworden und definitiv ein würdiger Abschluss für Hugh Jackman als Wolverine.

Moonlight

Kinostart: 09.03.2017
Regie: Barry Jenkins
Darsteller: Mahershala Ali, Naomi, Harris, Jharrel Jerome

Ich hatte eigentlich schon mit der Academy of Motion Picture Arts and Sciences abgeschlossen, aber da sie dieses Jahr überraschend Moonlight und nicht La La Land als besten Film mit dem Oscar ausgezeichnet hat, gibt es vielleicht doch noch Hoffnung. Es freut, dass die Mitglieder doch nicht im Hollywood der Vergangenheit festhängen, sondern progressives Kino erkennen und fördern. Genau das ist nämlich Moonlight und zwar nicht nur, weil die Protagonisten schwarz sind und die Hauptfigur dazu noch schwul, sondern weil hier eine politisch und gesellschaftlich relevante Geschichte mit genial aufeinander abgestimmten Stilmitteln des Filmemachens erzählt wird. Am entscheidendsten für den Erfolg sind aber die Schauspieler, allen voran Mahershala Ali, der schon aus Cottonmouth in Marvel's Luke Cage die spannendste Figur der Serie gemacht hat. In Moonlight spielt er einen Drogendealer, der sich um den Protagonisten kümmert und gibt der Figur dabei eine Ambivalenz, die den Zuschauer in den Wahnsinn treibt. Das gleiche gilt für Naomi Harris, die für ihre cracksuchtende Darstellung auch locker einen Oscar verdient hätte. Von einer dynamischen Kamera mit klassischen Soundtrack inszeniert, brennen sich diese Charaktere tief ins Gedächtnis ein. So speziell die Geschichte auch wirken mag, so universell sind die Emotionen, die sie transportiert. Für mich der beste Film in diesem (erst kurzen) Kinojahr.

Power Rangers

Kinostart: 23.03.2017
Regie: Dean Israelite
Darsteller: Dacre Montgomery, Becky G, Elizabeth Banks

An manchen Identitäts-Fragen kommt man in der Kindheit nicht vorbei. Welche Sportart fängt man an, welchem Hogwarts-Haus würde man beitreten? Und natürlich: Welcher Power Ranger wäre man gern?? Unzählige Stunden habe ich damit zugebracht, den Rangern dabei zuzusehen, wie sie in ihrem knalligen Ganzkörper-Leggins und Motorradhelmen die Welt vor den wohl trashigsten Bösewichten zu beschützen, die das Jugendfernsehen zu bieten hatte. In der neuen Kinoversion kann von diesem schönen Trash allerdings kaum noch die Rede sein. Das ist zwar irgendwie schade, passt aber zugegeben etwas besser in die aktuelle Kinolandschaft. Es geht um Highschool-Probleme, erste Liebe, Konflikte mit Eltern – den ganzen Pubertäts-Hickhack eben. Waren die Ranger in den verschiedenen Serienversionen doch relativ austauschbar, setzen die Macher jetzt auf Charaktere, mit denen man sich tatsächlich identifizieren und die emotionale Reise miterleben möchte, die eine außerirdische (Hochglanz-)Helden-Verwandlung vermutlich darstellt. Der Film verspricht tatsächlich eine überzeugende Coming-of-Age-Geschichte zu werden – mit Zords und so. Ach ja, Rita Repulsa ist wieder dabei, auch wenn sie in der neuen Version etwas zu sehr an Poison Ivy erinnert und selbst kämpft, anstatt ihre einfältigen Handlanger loszuschicken und im Hintergrund böse zu lachen... Aber man soll ja nicht in der Vergangenheit leben. Go, Go, Power Rangers!

Die andere Seite der Hoffnung

Kinostart: 30.03.2017
Regie: Aki Kaurismäki
Darsteller: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen Also der finnische Star-Regisseur Aki Kaurismäki dieses Jahr bei der Berlinale den Preis für die beste Regie gewann, blieb er desinteressiert auf seinem Platz sitzen. Als ihm die Bären-Trophäe dann dorthin gebracht wurde, hielt er sie offenbar für ein Mikrofon und sprach ein paar Dankesworte in sie hinein. Bei der Pressekonferenz nach der Premiere von Die andere Seite der Hoffnung beantwortete er eine Frage nach dem Soundtrack mit "Standard: Dialog und etwas Musik drüber", bevor er seinen Hauptdarsteller nötigte, einen finnischen Tango zu singen und so weiteren Fragen zu entgehen. Hier mag durchaus Alkohol im Spiel gewesen sein, aber genau dieser Humor, mit dem Kaurismäki der Welt um ihn herum begegnet, macht seine Filme einzigartig und für meinen Geschmack unwiderstehlich. In Die andere Seite der Hoffnung sucht ein syrischer Flüchtling Zuflucht in Finnland, wo er sich mit unkooperativen Behörden, betrunkenen Konservativen und Neonazis herumschlagen muss. Einen Verbündeten findet er in Waldemar Wikström, der gerade seine Frau verlassen, seinen Job gekündigt und bei einer illegalen Pokerrunde mal eben ein kleines Vermögen gemacht hat, um anschließend ein schrammeliges Restaurant zu eröffnen. Über weite Strecken wirkt der Film genauso absurd, wie das Benehmen seines Regisseurs und doch ist das Anliegen klar und völlig ernsthaft. Verantwortung darf nicht auf Regierungen und Behörden übertragen werden, sie liegt bei uns, mitten im Alltag, ob es nun gerade passt oder nicht.

Ghost in the Shell

Kinostart: 30.03.2017
Regie: Rupert Sanders
Darsteller: Scarlett Johansson, Michael Pitt

Wenn Gamer kritischen Menschen beweisen wollen, dass ihr Medium weder sinnloser Kinderquatsch noch brutales Egogeshoote ist, zeigen sie Heavy Rain oder The Last of Us. Anime-Fans begegnen dem gleichen Vorwurf mit Ghost in the Shell. Als der Film 1995 erschien, war plötzlich die Überraschung in den klassischen Feuilletons groß: Ein Anime mit Niveau?? Natürlich eigentlich nichts neues aber Ghost in the Shell spielte doch eine wichtige Rolle auf dem Weg in die westliche Kunstkritik. Jetzt kommt die von den Original-Fans lange mit dunklen Befürchtungen behaftete Realverfilmung mit Scarlett Johansson ins Kino – und scheint die (niedrigen) Erwartungen definitiv zu übertreffen. Whitewashing war natürlich nach der Besetzung von Johansson wieder zu Recht ein Thema, aber es sieht nicht so aus, als würde sich daran in naher Zukunft etwas ändern. Die Produzenten wollen Star-Power, also besetzen sie A-Lister – so lange aber kein asiatischer Schauspieler mal eine ähnliche Rolle bekommt, wird er das nicht und deshalb wiederum nicht besetzt. Ein ärgerlicher Kreislauf, der vielleicht nur durch Chinas wachsende Filmindustrie und Konsumentenmacht zu brechen ist. Wer das ausblenden kann, darf sich aber definitiv auf ein besonderes visuelles Erlebnis freuen, denn der Regisseur (und Kristen-Stewart-Affäre) Rupert Sanders hat keine digitalen Mühen gescheut, um das futuristische Japan unserer Träume zu erschaffen, in dem sich die bekannt geniale Handlung entfalten kann.

Umfrage

Willst du weitere Updates von Fandom erhalten? Klicke hier, um diesen Blog zu verfolgen.

Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.